
Do what make good – Der Anfang von 8500 km Glück von Florian Astor ist eigentlich schon ein recht „alter Schinken“ – und doch ist er mir erstaunlich lange komplett entgangen. Erst durch einige Zufälle und meinen lieben Freund hat dieses Buch schließlich seinen Weg zu mir gefunden.
Schon früh wurde mir klar, dass sich diese Lektüre nicht eindeutig in eine Schublade stecken lässt. Sie vereint gleich mehrere Genres:
Reisebericht,
Biografie
und eine spannende, fast schon abenteuerliche Erzählung.
Mein persönlicher Favorit ist jedoch eine andere Kategorie: Lebensratgeber.
Denn wer aufmerksam liest und sich die mit viel Liebe geschriebenen Worte zu Herzen nimmt, wird reich belohnt. Genauso gut hätte dieses Buch auch den Titel tragen können: „Wie werde ich wirklich glücklich?“
Bereits der Einstieg ist fesselnd, und ich bin förmlich an den Zeilen hängen geblieben. Mit viel Charme und Humor nimmt Florian Astor seine Leser:innen mit auf den Weg zu Entscheidungen, die echten Mut erfordern – Entscheidungen, bei denen man als Leserin nicht selten den Kopf schüttelt und denkt: „Das hat er jetzt nicht wirklich gemacht.“
Doch – er hat.
Je näher es an den ersten Wandertag geht, desto aufgeregter wurde auch ich beim Lesen. Der Autor versteht es hervorragend, seine Leser mitzunehmen und emotional einzubinden. Und dann ist er losgegangen: auf den Te Araroa in Neuseeland.
Dabei wird deutlich, dass eine solche Reise nicht aus einer Laune heraus entsteht. Man spürt die Unzufriedenheit, die ihn zuvor begleitet hat. Diese Wanderung ist das Ergebnis eines tiefen Herzenswunsches – gut durchdacht, geplant und dennoch ein Sprung ins Ungewisse.
Ab diesem Punkt nimmt die Geschichte deutlich an Fahrt auf. Immer wieder musste ich mir bewusst machen, dass ich hier keine Fiktion lese, sondern reale Erlebnisse. Neben lebensbedrohlichen Situationen begegnet der Leser sogenannten Trail-Engeln, neuen Freundschaften und Momenten völliger Erschöpfung. Hautnah erlebt man, was es mit einem Menschen macht, wenn sämtliche Sicherheitsnetze wegfallen und all der über Jahre angesammelte Ballast plötzlich keine Rolle mehr spielt. Was bleibt – und worauf es wirklich ankommt.
Ich habe beim Lesen oft gelächelt, war stellenweise genauso angespannt wie der Autor und an manchen Stellen auch sehr wehmütig. Ehrlich gesagt saß ich nach der letzten Seite noch eine gute halbe Stunde da und habe nachgedacht. Dabei habe ich mich selbst bei dem Gedanken ertappt, ob ich nicht vielleicht auch einmal wandern gehen sollte – auch wenn mir dafür aktuell Mut und Mittel fehlen, um meine eigene Komfortzone derart radikal zu verlassen.
Zwischen bildgewaltigen Naturbeschreibungen, packender Spannung und einer charmanten Anekdote über Pinguine finden sich immer wieder stille Momente. Momente mit tiefsinnigen Sätzen, die zum Innehalten und Nachdenken einladen.
Florian Astor nimmt seine Leser:innen charmant, witzig und nahbar mit auf eine lange Wanderroute durch Neuseeland. Wir begleiten seine Transformation – vom durchgetakteten Anzugträger hin zu einem freieren, glücklicheren Menschen.
„Do what make good – Der Anfang von 8500 km Glück“ hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich empfehle dieses Buch allen, die
- Spannung, Charme und Humor schätzen,
- einen Menschen auf seinem persönlichen Weg der Veränderung begleiten möchten
- und sich selbst vielleicht einmal ehrlich hinterfragen wollen.
Ein Buch das weit über die letzte Seite hinaus nachhallt.
